Die Karriereseite – So wird sie zum Bewerber-Magnet

Alle stöhnen über den Fachkräftemangel. Immer mehr Betriebe können offene Stellen nicht besetzen. Um qualifizierte Kandidaten ist mittlerweile ein heftiger Wettbewerb entbrannt. Das führt zu einer Umkehr der bisher gewohnten Situation: Nicht die Arbeitgeber suchen sich die Mitarbeiter aus, sondern die Mitarbeiter ihre Arbeitgeber. Unternehmen müssen also intensive, glaubwürdige Überzeugungsarbeit leisten, um qualifizierte Kräfte ins Boot zu holen. Durch strategische Kommunikationsmaßnahmen z. B. über klassische und Onlinekanäle werden daher große Anstrengungen unternommen, um Arbeitgebermarken – das sogenannte Employer Branding – aufzubauen. Herzstück des Employer Brandings ist dabei die Karriereseite der Unternehmens-Website.

Es reicht dabei nicht aus, einfach die aktuellen Stellenausschreibungen aufzuführen – die Karriereseite muss tiefer gehen. Es gilt, das Unternehmen bestmöglich zu präsentieren. Und zwar mit den Themen und Inhalten, die Jobsuchende wirklich interessieren. Die Karriereseite muss also exakt auf die Informationsbedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt sein. Das klingt erst einmal selbstverständlich. Doch überraschenderweise finden sich auf Karriereseiten sehr häufig die gleichen Inhalte wie zur Kundenakquisition. Doch die Perspektive von Jobinteressenten auf das Unternehmen ist eine ganz andere. Sie interessieren sich weniger für Produkt- und Dienstleistungsinformationen, sondern z. B. für die Arbeitskultur des Unternehmens. Grundsätzlich sind die spezifischen Info-Anforderungen an eine Karriereseite folgende:

Unternehmenskultur
Hier wird dem Nutzer verdeutlicht, wofür das Unternehmen steht. Was ist der Unternehmensgegenstand, also was macht das Unternehmen eigentlich, was stellt es her? Welche Positionen und Grundwerte vertritt es? Wie nimmt es seine soziale Verantwortung wahr und warum sollte der Interessent sich hier und nicht bei der Konkurrenz bewerben? Vergessen Sie dabei nicht, dass die Karriereseite oftmals der erste Berührungspunkt eines potenziellen Bewerbers mit Ihrem Unternehmen ist. Also vieles, was Ihnen als selbstverständlich erscheint, ist für den Jobsuchenden neu – also holen Sie ihn dort ab, wo er steht: ganz am Anfang. Schreiben Sie klar und einfach, verzichten Sie auf Marketing-Floskeln und eine überbordende Nabelschau – bleiben Sie authentisch. Argumentieren Sie rational und schlüssig, aber zeigen Sie auch Herz. Es gilt, sich von den anderen Unternehmen positiv abzuheben. Hier können Sie Ihre Kreativität spielen lassen. Zum Beispiel durch den Einsatz von Storytelling: Erzählen Sie Geschichten, z. B. warum Mitarbeiter gern bei Ihnen arbeiten oder über besondere Projekte. Lassen Sie dabei die Mitarbeiter selbst zu Wort kommen, zeigen Sie Bilder und Video-Clips auf dem Alltag Ihres Unternehmens, von Feiern und Teamevents.

Leistungen und Vergütung
An dieser Stelle geht es um Detailinformationen zu Gehältern und Benefits, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet. Neben dem Wunsch nach einem möglichst sicheren Arbeitsplatz stehen bei der Arbeitgeberwahl der Faktor Gehalt und geldwerte Vorteile ganz oben. Also, gibt es Prämienzahlungen, Inflationsgeld, Weihnachts- und / oder Urlaubsgeld, Tank- oder Essensgutscheine, Mitarbeiterrabatte, Vermögenswirksame Leistungen, einen Dienstwagen oder ein Dienst-E-Bike, freie Getränke, Mobiltelefon, Tablet oder Laptop, gesponserte Fahrkarten für den ÖPNV oder gar eine Mitarbeiterkantine, einen betrieblichen Kindergarten bzw. Kinderbetreuung? Ein wichtiges Thema ist zudem die Work-Life-Balance, also die Anzahl der Urlaubstage, Überstundenregelungen, ist wahlweise eine 4 oder 5-Tage-Woche möglich, gibt es flexible Arbeitszeiten?

Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten
Lebenslanges Lernen ist heute wichtiger denn je – nur wer sich weiterentwickelt hat auch die Chance zum beruflichen Aufstieg. Das wissen Jobsuchende – und deshalb interessiert es sie brennend, ob und wie das Unternehmen die berufliche Entwicklung seiner Mitarbeiter fördert. Gibt es regelmäßig Workshops oder interne bzw. externe Schulungen zu relevanten Themen, beteiligt sich das Unternehmen an Studien- bzw. Kurs- und Seminargebühren – oder erstattet es diese eventuell sogar komplett? Gibt es regelmäßig Mitarbeitergespräche, die Möglichkeit zur Teilnahme an Konferenzen oder Symposien? Wie und in welchem Umfang werden Nachwuchsführungskräfte entwickelt?

Bewerbungsprozess
Mit einem klaren, transparenten Bewerbungsprozess machen Sie es Jobinteressenten einfach, sich bei Ihnen zu bewerben. Der Bewerbungsprozess erstreckt sich in der Regel über mehre Phasen, wobei jede Phase einen gewissen Zeitraum beansprucht. Führen Sie diese Phasen und ihre Dauer auf der Karriereseite auf, z. B.:

  • Eingang der Bewerbung
  • Bestätigungs-E-Mail (innerhalb von 24 Stunden) 
  • Einladung zum Telefoninterview – oder Absage mit Begründung (innerhalb von 14 Tagen)
  • Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch – oder Absage mit Begründung (innerhalb von 4 Wochen)
  • Einladung zum Assessment Center – oder Absage mit Begründung (innerhalb von 2 Wochen)
  • Jobzusage mit Vertragszusendung – oder Absage mit Begründung (innerhalb von 1 Woche)

Wichtig ist, dass Sie sich selbstverständlich auch an die von Ihnen genannten Fristen halten bzw. diese nicht überschreiten – sonst verlieren Sie an Glaubwürdigkeit.

Beschreiben Sie außerdem genau, wie der Bewerber sich idealerweise bewerben soll. Hier ist es hilfreich, alle Bestandteile zu benennen, die eingereicht werden sollen – also z. B. Anschreiben, Lebenslauf, Schul- und Arbeitszeugnisse, Weiterbildungszertifikate, Arbeitsproben etc.. Zumeist erfolgt die Bewerbung auf der Karriereseite digital über ein entsprechendes Kontaktformular, wobei der Bewerber alle erforderlichen Dokumente hochladen kann. Liefern Sie eine Schritt-für Schritt-Anleitung, wie das Bewerbungssystem funktioniert. Geben Sie außerdem an, welche Dateiformate und maximalen Dateigrößen akzeptiert werden. Vergessen Sie zudem nicht, den Ansprechpartner sowie die Telefonnummer und / oder E-Mail-Adresse für eventuelle Fragen zu nennen.

Stellenausschreibungen
Jobangebote sollten in einem einheitlichen Format auf der Karriereseite dargestellt werden. Je nach Größe des Unternehmens bzw. der Anzahl der Angebote empfehlen sich auch Suchfilter, über die Interessenten die Offerten nach Standort, Abteilung etc. selektieren können. Jedes Stellenangebot sollte Auskunft über folgende Punkte geben: 

  • Jobtitel /Jobbezeichnung
  • Aufgaben
  • Anforderungen
  • Arbeitsort
  • Vollzeit / Teilzeit
  • Befristet / unbefristet
  • Benefits
  • Wie bewirbt man sich?
  • Ansprechpartner
  • Kontaktdaten